Strukturwandel in der heimischen Land- und Forstwirtschaft bremst sich ein

Statistik Austria präsentiert erste Zahlen der Agrarstrukturerhebung 2016.

Wien, 27. Juni 2017 (aiz.info). - 2016 gab es in Österreich insgesamt 161.155 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, von denen 22.300 biologisch wirtschafteten und 54% im Nebenerwerb geführt wurden. Mehr als ein Drittel hatte den Produktionsschwerpunkt in der Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen. Auf den Höfen waren insgesamt 410.900 Personen beschäftigt. Der Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Bruttowertschöpfung betrug 3,9 Mrd. Euro oder 1,3% und sinkt seit 2011. So lauten die ersten vorläufigen Kennzahlen der Agrarstrukturerhebung 2016, die heute von der Statistik Austria präsentiert wurden.

Weiterhin weniger, aber größere Betriebe

"Gegenüber der vorangegangenen Erhebung im Jahr 2013 (166.300) ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe um 3% gesunken. Am ausgeprägtesten ist der Strukturwandel im Osten Österreichs: im Burgenland betrug das Minus 6,4%, in Niederösterreich 5,4% und in der Steiermark 3,2%. "Im langjährigen Vergleich wird aber deutlich, dass sich der Rückgang verlangsamt hat", erläuterte Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. Denn in den Jahren 1995 (239.100) bis 2010 (173.300) schlossen jährlich rund 9% der Höfe, seitdem fällt der Rückgang mit 3 bis 4% pro Jahr moderater aus.

Gleichzeitig ist der Trend zu größeren Betrieben ungebrochen: Wurden 1995 pro Betrieb im Schnitt 31,8 ha bewirtschaftet, so waren es 2016 bereits 45,7 ha. Bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche (Ackerland, Haus- und Nutzgärten, Dauerkulturen, Dauergrünland) verlief die Entwicklung mit einer Steigerung von 15,3 ha auf 19,7 ha ähnlich. "Dennoch ist die österreichische Landwirtschaft nach wie vor vergleichsweise klein strukturiert", bekräftigte Pesendorfer und veranschaulichte es anhand eines Vergleichs mit den anderen EU-Staaten, wo Österreich im hinteren Drittel liegt (Tschechien führt mit 133 ha/Betrieb, Deutschland kommt auf 58,6 ha) aber doch leicht über dem EU-Durchschnitt von 16,1 ha. Zahl der Betriebe juristischer Personen oder Personengemeinschaften nimmt zu Von den 161.155 Betrieben wurden 36% (-1% gegenüber 2013) im Haupt- und 54% (-1%) im Nebenerwerb geführt, d. h. rund 90% sind Familienbetriebe. Beim Rest handelt es sich um Personengemeinschaften oder Betriebe juristischer Personen (z. B. Gemeinschaftsbetriebe).

Zahl der Betriebe juristischer Personen oder Personengemeinschaften nimmt zu

Von den 161.155 Betrieben wurden 36% (-1% gegenüber 2013) im Haupt- und 54% (-1%) im Nebenerwerb geführt, d. h. rund 90% sind Familienbetriebe. Beim Rest handelt es sich um Personengemeinschaften oder Betriebe juristischer Personen (z. B. Gemeinschaftsbetriebe).

Mehr fremd- und weniger familieneigene Arbeitskräfte

"Die heimische Land- und Forstwirtschaft beschäftigte 2016 insgesamt 410.900 Personen - ein Rückgang von 1% gegenüber 2013, insbesondere bei den familieneigenen Arbeitskräften, die 82% ausmachen, während die Zahl der familienfremden Arbeitsnehmer um 2% stieg", erklärte Beate Schmidt, Leiterin der Direktion Raumwirtschaft in der Statistik Austria. 36% oder 58.700 der österreichischen Betriebe sind als Bergbauernbetriebe klassifiziert, davon 4% in der höchsten Erschwernisklasse. 31% aller Höfe wurden von Frauen geführt.

Bei der Auswertung nach Betriebsformen zeigte sich, dass 36% (58.400) der Betriebe ihren Schwerpunkt in der Tierhaltung hatten, 30% (48.200) waren Forstbetriebe und 13% (21.200) Marktfruchtbetriebe.

Rinder- und Schweinebestand insgesamt rückläufig - Herdengrößen steigen aber

Die Tendenz zu größeren Einheiten setzte sich auch in der Tierhaltung fort: Hielt ein heimischer Bauernhof vor zwei Jahrzehnten im Schnitt 20 Rinder, so nahm die Herdengröße seitdem kontinuierlich auf 32 Tiere (+60%) zu. Der durchschnittliche Schweinebestand stieg sogar von 35 auf 110 Tiere (+215%) an. Im selben Zeitraum ist der gesamte Rinder- und Schweinebestand um 17% beziehungsweise 20% zurückgegangen, seit 2013 um 0,9% und 4,2%. Auch bei der Zahl der Rinder- und Schweinehaltenden Betriebe ist ein Rückgang um 75% und 48% seit 1995 zu verzeichnen.

Bei den Schafen und Ziegen ist die Zahl der Halter ebenfalls rückläufig, wenn auch nicht im selben Ausmaß (-29% bzw. -30%), der Gesamttierbestand hat sich seit dem EU-Beitritt allerdings deutlich erhöht (+14% und +93%), ebenso wie die Herdengrößen pro Betrieb (+61% und +174%).

Österreich ist Bio-Europameister

22.300 Betriebe in Österreich - oder 16,8% - wirtschafteten 2016 biologisch. Gegenüber dem Jahr 2013 bedeutet dies eine Steigerung um 8% oder 1.600 Betriebe. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 552.700 ha. Die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche je Betrieb liegt bei 25 ha und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. "Österreich ist damit Nummer eins in der EU, sowohl was den Prozentsatz der Biobetriebe (vor Schweden und Estland) als auch der Biofläche (vor Tschechien und Schweden) betrifft", erläuterte Schmidt. Der Großteil der Biobetriebe hatte den Produktionsschwerpunkt in der Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen.

Für die Agrarstrukturerhebung hat die Statistik Austria Daten bei rund 30.000 bäuerlichen Betriebe mittels eines personalisierten elektronischen Fragebogens erhoben sowie Verwaltungsdaten übernommen. Endgültige beziehungsweise detaillierte Ergebnisse zur Erhebung 2016 werden zu Jahresende veröffentlicht.